Tötet die Schule die Kreativität?

Sir Ken Robinson fordert einen radikalen Umbau unseres Bildungssystems

Sir Ken Robinson

ist ein visionärer Vordenker und weltweit anerkannter Experte für Kreativität. In einem denkwürdigen Vortrag bei TED beantwort er seine eigene Frage „Do schools kill creativity?“ mit einem klaren JA und fordert, unser Schulsystem radikal umzubauen. Mit köstlichem britischen Humor wirbt er für die These, dass Menschen ihr schöpferisches Potential besser verwirklichen könnten – wenn man sie nur richtig fördern würde.

Die Ursache für mangelnde Kreativität

sieht Sir Ken in unserem Schulsystem, das bestenfalls gute Arbeiter hervorbringe. Die Welt der Zukunft brauche aber kreative Denker, die ihre Visionen ohne Angst vor Fehlern in die Tat umsetzen.

Sir Ken Robinsons humorvoller Vortragsstil

ist ein Genuss; es lohnt sich, den Vortrag auf Englisch anzuhören, zumal einzelne Glanzlichter sich nur in der Originalsprache erschließen. Zum Beispiel in der Anekdote mit den Kindern, die die Weihnachtsgeschichte aufführen: im Brustton der Überzeugung macht ein Junge aus dem Begriff „frankincense“ (Weihrauch) „Frank sent this“ (Frank hat dies geschickt.). Robinson verdeutlicht daran, dass Kinder keine Angst vor Fehlern haben.

Der Vortrag von 2006 ist immer noch aktuell und hatte über 50 Millionen Aufrufe. Untertitel auf Deutsch und eine deutsche Mitschrift gibt es auch. Zur Originalseite von TED

Ein radikaler Umbau unseres Bildungssystems

ist laut Sir Ken notwendig, damit die nächsten Generationen ein goldenes Zeitalter erleben können. Dieser Umbau muss auch den Stellenwert musikalischer Ausbildung erhöhen. Zwei Punkte findet der Visionär besonders wichtig:

  • Erstens wünscht er sich, dass Musik, Tanz und Kunst den gleichen Stellenwert bekommen wie Mathematik, Sprachen und die Geisteswissenschaften. Sport und Ernährung möchte ich noch hinzufügen – unser Körper ist schließlich unser Freund.
  • Zweitens konstatiert er, dass unser Schulsystem Fehler stigmatisiert. Das führt dazu, dass die Schüler Fehler möglichst vermeiden, weil sie nicht unangenehm auffallen wollen. Eine gesunde Fehlerkultur würde Fehler als hilfreiche Freunde auf dem Weg zur Erkenntnis begreifen. Kreative Denker können sich am besten entfalten, wenn der Erkenntnisprozess ohne Angst vor Fehlern abläuft – wie in der Anekdote mit dem Jungen.

Das problematische Bewertungssystem der Schule

klingt nebenbei an. In diesem Bewertungssystem sind gute Noten ein knappes Gut, um das Schüler und Schülerinnen rivalisieren. Wer dem Mitschüler hilft, ist „schön blöd“, weil die Noten anhand von Durchschnittswerten der Klasse errechnet werden. In diesem System verschlechtert der Hilfsbereite seine eigene Note, weil sein Rivale sich verbessert. Wenn alle Schüler Sehr gut bekommen, bricht das ganze Bewertungssystem zusammen: die Aufgabe wird dann für „zu einfach“ erklärt.

Sozial problematisch ist, dass Schüler, die hervorragende Leistungen erbringen, die Noten der Klassenkameraden senken und zu ungeliebten „Strebern“ werden. Wie soll in diesem System Hilfsbereitschaft und Kooperation eingeübt werden? Hier kommt wieder die Musik ins Spiel.

Chance Musik

Gemeinsames Musikmachen hat ein klares Ziel: gute Musik. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn alle an einem Strang ziehen. Gute Musikgruppen sind Modelle für gelingende Kooperation. Der gute Klang des Chors, des Ensembles, des Orchesters oder der Band steht im Mittelpunkt  der gemeinsamen Bemühungen. Nur durch ein hingebungsvolles Miteinander kommt man dahin.

Meine Vision ist eine musikalische Schule: dort wird nicht nur Musik gemacht, sondern auch das Prinzip Musik gelebt.

Vielleicht finden auch Sie diese Vision attraktiv?
Ihr Bernd Michael Sommer